Stau!

Eine meiner Hauptbeschäftigungen hier in Teheran ist es, im Stau zu stehen. Und zwar regelmäßig. Und lang. Leider lässt sich das kaum vermeiden, wenn man täglich zur Arbeit möchte, ohne die fünfzehn Kilometer spazierengehenderweise zurückzulegen (wobei sich auch Fußgänger hier gern auf der Autobahn aufhalten).

Heimweg1

Ein ausnahmsweise stauloser Heimweg.

Inzwischen habe ich ein paar Wege gefunden, die mir einen Stau-Aufenthalt so angenehm wie möglich machen. Hier meine Top Five:

  1. Ein eigenes Auto! Das erste Jahr habe ich mich geweigert, mich bei dem mörderischen Verkehr selbst hinters Steuer zu setzen. Aber nach zwei Sommern in alten Taxen, die ohne Klimaanlage mit offenen Fenstern und geschmacklich fragwürdiger musikalischer Beschallung durch den Smog krochen, habe ich meine Angst überwunden. Man hat nur eine gewisse Anzahl von Tagen, die man es auf einer noch mit Plastikfolie umhüllten Sitzbank klebend aushält (aus einem mir unbekannten Grund lassen die Iraner die Plastikverpackung auch noch an der Innenverkleidung, wenn der Wagen außen schon völlig verbeult ist). Meine Sitzbank-Kleb-Tage sind auf jeden Fall bis auf Weiteres aufgebraucht. Ich musste Abhilfe schaffen. Mein allerliebster neuer (und natürlich nicht mehr ganz unverkratzter) kleiner Kia-Picanto, genannt Putzi (weil putzig), verfügt über Klimaanlage, CD-Spieler und muss nur alle zwei Wochen getankt werden (eine Tankfüllung kostet um die zehn Euro).
  2. MEINE Musik! Ich habe nicht gegen iranische Musik, ABER kann diese, genau wie manche anderen Musikarten nur in Maßen und angemessener Lautstärke ertragen. Das ist den Taxifahrern allerdings meistens egal. In meinem Auto kann ich hören was ich möchte, wann ich es möchte und wie laut ich es möchte. Und ich kann sogar mitsingen.
  3. Nahrung! Mal abgesehen von Ramadan, wenn man in der Öffentlichkeit tagsüber gar nicht essen und trinken darf, habe ich immer eine Kleinigkeit zu essen im Auto. Seid ihr schon mal in die Verlegenheit geraten nach zwei Stunden im Stau mangels Löffel Vanillepudding aus einem Becher zu lecken? Spätestens nach dieser Erfahrung bin ich für alle Eventualitäten gerüstet.
  4. Notizblock und Stift. Manchmal kommen mir wenn ich im Stau stehe, die allerbesten Ideen. Leider dauert der Stau meistens so lange, dass sie alle wieder weg sind, bis ich es endlich nach Hause geschafft habe. Deshalb habe ich immer was zum Schreiben dabei.
  5. Das Wichtigste zum Schluss: Egal ob nötig oder nicht, vor Feierabend unbedingt einen Abstecher ins Bad machen. Nichts ist schlimmer, als mit der Aussicht, noch mindestens eine Stunde im Stau zu stehen, dringend auf die Toilette zu müssen. Wirklich gar nichts.

Gute Fahrt!

3 Kommentare zu “Stau!

  1. Wie witzig- das mit der Folie. Ausser, wenn man darauf sitzen muss 😉 Deine Top-Five kann ich gut nachvollziehen…das alles wäre mir auch wichtig und ich kann mir vorstellen, dass der Stau so wenigstens etwas erträglicher ist.

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